Es ist Samstag und eine ereignisreiche Woche ist zu Ende gegangen.
Am Montag auf der Allgemeinchirugischen Station angefangen, es war Aufnahmetag, am Dienstag und am Donnerstag so etwas wie die deutsche Chefvisite und am Mittwoch und am Freitag wurde operiert.
Nach der Morgenbesprechung die offiziell um halb acht stattfindet aber meist mindestens eine halbe Stunde später beginnt ging es am Montag also nach einem kurzen Frühstück zur Aufnahme. Dort hab ich dann während der Wartezeit auf einen Arzt erst mal meine neuen Kommilitonen kennengelernt, die mir erklärt haben wir alles funktioniert. Insbesondere P. und O. haben sich einfach toll um den Mzungu gekümmert und mich eigentlich durch die Woche gelotst.
An Dienstag und Donnerstag war dann so etwas wie die Chef-Visite. Der Chef kommt jedoch meist erst um elf, bis dahin leitet der hiesige Facharzt die Visite. Die Studenten stellen hier dann alle Patienten, die sie zuvor aufgenommen und untersucht haben vor. So werden dann alle Patienten unter den Studenten aufgeteilt, und jeder ist für seine Patienten verantwortlich. Danach bleibt dann immer noch Zeit für Fragen und Erklärungen zu dem Krankheitsbild. Meiner Meinung nach ist das ein tolles Prinzip.
Der Ablauf auf der Station lässt einem am Anfang allerdings die Haare zu Berge stehen. Die Station und die Patientenzimmer wirken sehr dreckig. Das Pflegepersonal ist allem Anschein nach, nur für die Medikamentenausgabe und das Bereitstellen von Bettwäsche verantwortlich (allerdings waren am Dienstag die Laken aus). Öfter müssen sich zwei erwachsene Patienten ein Bett teilen und dass sich Kinder und Säuglinge die Betten Teile ist die Regel. Da die Pflege und auch die Versorgung mit Essen und Trinken durch die Angehörigen übernommen werden, sind die Zimmer immer schön gefüllt.
Im Bugando-Hospital teilen sich Urologie, Orthopädie und 2 allgemeinchirurgische Stationen 5 OP-Säle, weswegen immer nur an 2 Tagen pro Station operiert wird. Der OP und das ganze drum herum ist auf den ersten Blick sehr schlecht ausgestattet und wirkt auch sehr unhygienisch. Mit der Sterilität nimmt man es oft nicht so genau und es gibt auch kein OP-Zubehör, das nur einmal verwendet wird. Es gibt keine richtige Schleuse und die OP-Säle sind alle offen (auch für Insekten).
Allerdings scheinen die Operationen meist gut auszugehen. Auch sind die Chirurgen meiner Meinung fachlich und technisch sehr kompetent. Außerdem setzen sich die meisten Ärzte sehr für eine gute Lehre ein, indem während der OP viel erklärt wird und auch in den Pausen Krankheitsbilder besprochen werden.
Ich habe hier in dieser Woche schnell gemerkt, dass die Dinge in Tansania anders laufen als in Deutschland. Die Diagnose des akuten Abdomens ist hier zum Beispiel keineswegs an solch feste diagnostische und therapeutische Maßnahmen geknüpft, wie es bei uns der Fall ist. Es kommt immer darauf an welche Ressourcen gerade zur Verfügung stehen und ob sie direkt bezahlbar sind. Darüber hinaus unterscheiden sich das hiesige Spektrum und der Fortschritt der Krankheiten sehr von denen in Deutschland üblichen. Ich kann an dieser Stelle leider nicht auf konkrete Fälle eingehen, doch ist Befunde mit denen sich die Leute hier vorstellen oft echt erschütternd, da es meist oftmals auch bei in D. banalen Krankheiten keine kurativen Therapie-Möglichkeiten mehr gibt.
Alles in allem lerne ich hier allerdings im Moment so einiges - auch vieles, das nicht unbedingt in den Lehrbüchern steht. Beispielsweise, dass man bei einer Splenektomie, kleine vitale Milzscheiben ins Peritoneum einnähen kann um die Komplikationsrate zu vermindern.
Im Moment bin ich nach der Arbeit immer noch ziemlich von den Eindrücken aus dem KH-Alltag erschöpft. Merke aber, dass ich schon anfange mich an die Umstände vor Ort anzupassen.